Bewegung


Bewegung
bewegen
vorwärts, rückwärts, hoch und runter
bewegen und
bewegt sein
beides: Körper und Seele, emotional und intellektuell characteristisch für das menschliche Dasein
Freundliches Herz
unverzichtbar für den Künstler


Wie kann man Bewegung im Bild festhalten? Wie kann man einen solch flüchtigen Moment einfangen? Louis Nagelkerke erzählte mir einmal, dass er lange Zeit damit experimentiert hat, Augen zu malen. So detailreich wie möglich, also jede Linie, jeden Farbschatten, jeden Lichtpunkt. Sicher kann man ein Auge auch durch eine einzige Linie darstellen. Sö ähnlich verhält es sich mit der Bewegung. Bewegung auf Bildern entsteht in erster Linie durch Suggestion.

Zwischen 1980-1990 suggerierte Louis Nagelkerke Bewegung in seinen Bildern noch als wohlüberlegte Kratzer, Bewegungslinien. Er war lange in dieser Manier gefangen, fast eine Art Stagnation. Aber Stagnation beeinhaltet auch immer die Möglichkeit, den Gordischen Knoten zu durchschlagen und sich weiterzuentwickeln. Zunächst malte Louis weniger realistisch, dafür aber couragierter, folgte seinen Vorzeichnungen nicht mehr und versuchte, seine Bilder von allem Unnötigen zu befreien, bis nur noch die Essenz übrigbleibt.

Als er aber eines Tages gebeten wurde, einige Ausstellungen in Jakarta zu bestreiten und die Galerie ihn bat, so detailreich wie möglich zu malen, verwarf er seinen künstlerischen Existenzialismus von heute auf morgen. Der Künstler ließ sich darauf ein, anfänglich nur aus kommerziellen Gründen, aber er fand bald Freude am Malen exotischer Gewänder und Interieurs.

Inzwischen malt Lois wieder etwas freier. Exakt gibt er nur die Dinge wieder, die ihm wichtig erscheinen, die Bewegung tritt wieder mehr in den Vordergrund. Es scheint, er hat sich nun selbst gefunden und eine adäquate Sprache für seine Bilder. Ganz besonders können wir das in den aktuellen balinesischen Bildern erkennen: sie zeigen noch immer schöne Details in Kleidung und Ornamenten, aber zugleich sind es Bilder, in denen eine Bewegung Atmosphäre und Raum für eigene Gedanken schafft.

Louis Nagelkerke hat eine enorme Entwicklung durchgemacht. Ein gesundes Maß an Selbstkritik ist für solche Prozesse unablässig. Heute ist Louis Nagelkerke gegen jede Art von Kritik immun, ausgenommen die seiner Frau. Bevor er überhaupt jemandem irgendwelche Arbeiten zeigt, hat er sich selbst lange genug damit auseinandergesetzt und kennt deren Schwachstellen. Er macht sich immer wieder bewußt, was er noch zu lernen hat und wo er die Qualität noch verbessern kann. Dieser kontinuierliche Prozess ist ihm wichtig. Niemand, und schon gar kein Künstler, sollte sich für perfekt halten und glauben, er hätte bereits alles erreicht.
Dr. Pamela Eshuis